Menschen, die Gegenstände horten, leben nicht freiwillig in Unordnung: Ein Psychologe enthüllt, was sich dahinter wirklich verbirgt.

Menschen, die in unordentlichen Wohnungen leben und deshalb oft als unorganisiert oder nachlässig wahrgenommen werden, leiden häufig unter einer weitaus komplexeren Störung als bloßer Vernachlässigung. Das Diogenes-Syndrom ist eine psychische Störung, die Betroffene dazu bringt, zwanghaft Gegenstände anzuhäufen, bis dies zu ihrem Lebensstil wird. Dieses Verhalten ist nicht auf mangelnde Willenskraft oder Fürsorge zurückzuführen, sondern auf tiefsitzende psychische Mechanismen, die für ihr Umfeld oft unsichtbar bleiben.

Diogenes-Syndrom: eine multifaktorielle Erkrankung

Das 1975 erstmals vom britischen Geriater Clark beschriebene Syndrom umfasst extreme Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Objekten, dem Körper und sozialen Interaktionen. Obwohl es häufiger bei älteren Erwachsenen auftritt, kann es alle Altersgruppen betreffen. Entgegen der landläufigen Meinung ist es nicht systematisch mit einer psychischen Erkrankung wie Alzheimer oder Schizophrenie verbunden. Tatsächlich weist etwa die Hälfte der Betroffenen keine eindeutig diagnostizierte psychiatrische Störung auf.