Als das Wrack 1985 entdeckt wurde, erwarteten die Forscher, alles wiederzufinden: Gegenstände, Strukturen, aber auch direktere Beweise für die Anwesenheit der Passagiere. Stattdessen fanden sie eine wahre Zeitkapsel aus unversehrtem Geschirr, zusammengebrochenen Möbeln, Schuhen und Koffern, die in fast andächtiger Stille lagen. Keine menschlichen Überreste jedoch.
Selbst James Cameron bestätigte bei seinen zahlreichen Tauchgängen zur Vorbereitung auf seinen Film, dass er nie etwas anderes als verstreute Kleidungsstücke und Accessoires gesehen habe.
Warum sind diese Objekte noch da, die übrigen aber nicht?
Die wissenschaftliche Erklärung: eine extreme Umgebung, die alles verändert
Der Meeresgrund des Nordatlantiks ist eine andere Welt: dunkel, eisig, unter enormem Druck. Ganz anders als die ruhigeren, flacheren Gewässer, die wir uns oft vorstellen.
In dieser Umgebung verläuft alles anders. Experten erklären, dass in Tiefen von mehr als 3.600 Metern die biologische Aktivität besonders hoch ist: Winzige Meeresorganismen wandeln organisches Material in rasantem Tempo um, unabhängig von dessen Art oder Herkunft. Dieser natürliche Prozess ist Teil des Lebenszyklus in der Tiefsee.
Selbst als widerstandsfähig geltende Elemente wie Kalksteinformationen lösen sich in diesen mineralarmen Gewässern mit der Zeit auf. Deshalb sind keine dauerhaften Spuren erhalten geblieben, während Gegenstände wie Schuhe – aus anderen Materialien gefertigt – jahrzehntelang überdauert haben.
Im Vergleich dazu können in Meeren mit geringer biologischer Aktivität manche menschliche Überreste sehr lange überdauern. Dies ist im Nordatlantik schlichtweg nicht der Fall.
Die Objekte: die letzten Zeugen des Ozeandampfers

