Unter den am häufigsten genannten Bildern nimmt das eines Lichts oder eines Tunnels eine zentrale Stellung ein. Dieses Phänomen ist faszinierend, lässt sich aber teilweise ganz konkret erklären. Wenn die Energieversorgung des Gehirns abnimmt, werden bestimmte Bereiche, insbesondere jene, die mit dem peripheren Sehen zusammenhängen, zuerst weniger aktiv.
Der Neurologe Steven Laureys vergleicht diesen Vorgang mit einem Bildschirm, der von den Rändern her allmählich dunkler wird und in der Mitte einen hellen Bereich zurücklässt. Es handelt sich daher nicht um ein symbolisches Bild im mystischen Sinne, sondern um das Ergebnis einer präzisen und völlig natürlichen Gehirnfunktion.
Die Schlüsselrolle von Erinnerungen und Emotionen
Das Gehirn steuert nicht nur lebenswichtige Funktionen, sondern ist auch der Sitz unserer tiefsten Gefühle. In solchen Momenten können bestimmte Bereiche, die mit Erinnerungen und Gefühlen verknüpft sind, intensiv aktiviert werden. Daher rührt der Eindruck, vertraute Gesichter zu sehen, glückliche Momente zu erleben oder eine besonders starke Verbundenheit mit geliebten Menschen zu spüren.
Diese Erscheinungen würden dem Geist helfen, sich wieder auf das Wesentliche zu besinnen und ein Gefühl von Kohärenz und Trost zu vermitteln. Das Lebensende erscheint dann weniger als Bruch denn als innere Kontinuität.
Ein sanfteres Erlebnis, als Sie sich vielleicht vorstellen
Entgegen der mit dem Unbekannten verbundenen Angst zeichnen wissenschaftliche Daten ein beruhigendes Bild. Viele Berichte beschreiben einen Zustand tiefen Friedens, Abwesenheit von Angst und ein Gefühl der Harmonie. Das Gehirn scheint, anstatt in ein Nichts zu stürzen, ein letztes, sanftes Sinneserlebnis zu bieten.
Wie diese Entdeckungen unsere Perspektive verändern
Diese Fortschritte erheben nicht den Anspruch, alles zu erklären, aber sie verändern unsere Wahrnehmung. Sie zeigen, dass das Ende nicht zwangsläufig mit einem plötzlichen Bruch gleichzusetzen ist, sondern vielmehr ein allmählicher Prozess, der von einem Gehirn gesteuert wird, das bis zum Schluss erstaunlich aktiv und schützend wirkt.
Das Verständnis dieser Mechanismen lädt uns letztlich dazu ein, das Leben mit größerer Gelassenheit zu betrachten, im Wissen, dass unser Geist bis zum letzten Augenblick zu wissen scheint, wie er uns mit Erinnerungen und Licht umhüllt. Die Bedeutung dieser letzten Momente erhält dadurch eine zutiefst menschliche Dimension.
