Man sagt oft, manche Liebesgeschichten seien „vorbestimmt“: eine stabile Ehe, entzückende Kinder und wunderschöne Familienfotos. Fünfundzwanzig Jahre lang verkörperte Anaïs diese Rolle perfekt. Bis zu jenem Tag, als in einem Büroflur ein Gesicht aus der Vergangenheit alles zerstörte.
Wenn das perfekte Paar nur eine Fassade ist

Mit 47 Jahren glaubte Anaïs, alles zu haben: einen liebevollen Ehemann, ein gemütliches Zuhause, erwachsene Kinder und Fotoalben voller idealisierter Erinnerungen.
Doch alles hatte lange vor der Hochzeit begonnen, als sie nach dem Schulabschluss schwanger und allein war. Ihre erste große Liebe, Mathis , war über Nacht spurlos verschwunden und hatte sie zutiefst verängstigt zurückgelassen. Da trat Damien, ein langjähriger Freund, in ihr Leben und bot an, „alles wieder in Ordnung zu bringen“.
Wenn „Sicherheit“ eine große, unausgesprochene Wahrheit verbirgt

Statt sie zu verurteilen, hatte Damien ihr versprochen, das Kind anzunehmen und ihr ein stabiles Leben zu bieten. Wenige Tage später machte er ihr einen Heiratsantrag, und Anaïs, erschöpft von Angst und Einsamkeit, nahm ihn fast ohne nachzudenken an. In den Augen aller war er der ideale Mann, der „Verantwortung übernommen“ hatte.
Sie heirateten, zogen Maëlya groß – deren Name ironischerweise eine unbewusste Hommage an Mathis war – und bekamen später ein zweites Kind. Fünfundzwanzig Jahre lang tat Anaïs alles, um zu glauben, dass ihr Mann sie gerettet und das Leben ihr eine zweite Chance gegeben hatte. Bis zu jenem Abend, als beim Betrachten alter Familienfotos ein scheinbar unbedeutendes Detail ihre Zweifel neu entfachte.
Die Begegnung, die alles veränderte

Ein paar Wochen später geht Anaïs in das Büro ihres Mannes, um Unterlagen abzugeben. Sie kennt den Ort wie ihre Westentasche, schließlich hat sie dort schon Dutzende von Kunden getroffen. Doch an diesem Tag beschleicht sie ein ungutes Gefühl. Am Ende des Flurs wartet ein Mann, halb im Schatten.
Als er aufblickt, scheint die Zeit stillzustehen: Es ist Mathis . Älter, vom Leben gezeichnet, aber unverkennbar er. Anaïs spürt, wie ihr die Beine nachgeben. Er hingegen wirkt panisch, als er sie dort sieht. Er fordert sie auf zu gehen und murmelt, sie „sollte hier nicht sein“. Anaïs gibt nicht auf und erfährt schließlich einige Bruchstücke der Wahrheit … genug, um alles infrage zu stellen.
