Ist Europa bereit für einen Krieg und was unternimmt Brüssel zur Vorbereitung?

„Dieses stufenweise Vorgehen stellt sicher, dass die Kommission nicht nur zuhört, sondern auch handelt“, fügte er hinzu.

Doch Regulierung ist nur ein Teil des Problems. Europas Verteidigungsindustrie ist zwar global wettbewerbsfähig, aber nach wie vor national fragmentiert. Jahrzehntelange Unterinvestitionen und begrenzte Produktionskapazitäten hemmen weiterhin das Produktionswachstum.

„EU-Unternehmen sind wettbewerbsfähig, stehen aber vor strukturellen Schwächen und einem fragmentierten Markt“, sagte Regnier. Er argumentierte, dass eine engere Koordinierung unerlässlich sei, um Europas Verteidigungsfähigkeiten und -infrastruktur zu finanzieren, zu entwickeln, zu produzieren und instand zu halten.

Hier sollen Instrumente auf EU-Ebene wie SAFE einen Unterschied machen: Das Programm ist darauf ausgelegt, die gemeinsame Beschaffung zu beschleunigen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten zu verringern.

Gemäß den Bestimmungen müssen die meisten Verteidigungsgüter größtenteils aus der EU, dem EWR oder der Ukraine bezogen werden, um das zu gewährleisten, was Regnier als Europas „unabhängige Nutzung“ seiner eigenen Verteidigungsausrüstung bezeichnete.

Erste Anzeichen deuten auf eine starke Nachfrage hin. Die vorläufigen SAFE-Pläne umfassen 691 Projekte, von denen fast zwei Drittel auf gemeinsame Beschaffung abzielen. Die Mitgliedstaaten haben fast 50 Milliarden Euro für Luft- und Raketenabwehr, Munition und Raketen beantragt, weitere Milliarden werden für Drohnen, Drohnenabwehrsysteme und maritime Fähigkeiten benötigt. Bis zu 22,5 Milliarden Euro an Vorfinanzierung könnten bereits im März 2026 freigegeben werden.

Die Zeit drängt. Europa muss seine Verteidigungsindustrie modernisieren, die Ukraine unterstützen und auf Sicherheitswarnungen der NATO und Washingtons reagieren. Wie Regnier es formulierte, hängt der Erfolg von verstärkter Zusammenarbeit, dem Schließen von Fähigkeitslücken und der Aufrechterhaltung zeitnaher Unterstützung für die Ukraine ab.

In einem Sicherheitsumfeld, das eher von Dringlichkeit als von Gewissheit geprägt ist, besteht Europas Herausforderung nicht mehr darin, ob es handeln soll, sondern ob es schnell genug handeln kann.