Unterdessen erholte sich Ava langsam in der Obhut einer Pflegefamilie, die von einer Frau namens Margaret Duvall geleitet wurde. Margaret hatte schon Kinder betreut, die Unvorstellbares durchgemacht hatten, doch Avas Angst war tiefer als die der meisten anderen. Das kleine Mädchen wachte nachts weinend auf und weigerte sich, bei geschlossener Tür zu schlafen. Margaret setzte sich an ihr Bett und flüsterte: „Du bist in Sicherheit, mein Schatz. Niemand wird dir jemals wieder wehtun.“
Therapeuten nutzten Zeichnungen und sanfte Spiele, um Ava zu helfen, sich auszudrücken. Nach und nach begann sie, farbenfrohe Himmel, Bäume und Polizeiautos zu malen. Eines Tages zeigte sie Margaret ein Foto von zwei Polizisten neben einem lächelnden Kind. „Sie haben mich gerettet“, sagte sie.
Monate später begann der Prozess gegen Thomas Whitaker. Der Gerichtssaal war überfüllt mit Reportern, Sozialarbeitern und Gemeindemitgliedern, die Gerechtigkeit forderten. Der Staatsanwalt spielte die Aufnahme des Notrufs ab; die zerbrechliche Stimme eines Kindes hallte durch den Raum. Mehrere Geschworene wischten sich die Tränen aus den Augen.
Als Ava aussagen sollte, erlaubte ihr der Richter, zur Beruhigung einen kleinen Teddybären zu halten. Ihre Stimme zitterte zunächst, wurde aber mit jedem Wort fester. „Ich habe die Wahrheit gesagt“, sagte sie. „Weil ich nicht wollte, dass er mir noch einmal wehtut.“
Nach stundenlangen Zeugenaussagen und unwiderlegbaren Beweisen fällte die Jury ein einstimmiges Urteil: schuldig in allen Anklagepunkten. Thomas Whitaker wurde zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung verurteilt.
Als das Urteil verlesen wurde, schlang Margaret die Arme um Ava. Tränen flossen in Strömen, aber diesmal waren es Tränen der Erleichterung.
Jahre vergingen, und Ava erholte sich weiter. Sie lernte wieder zu lachen und träumte davon, Krankenschwester zu werden, genau wie Rebecca, die Frau, die ihr im Krankenhaus als Erste die Hand gehalten hatte. In einem Interview Jahre später sagte sie: „Ich möchte Kindern so helfen, wie mir geholfen wurde.“
Der Schrei, der aus Angst begonnen hatte, hatte zur Freiheit geführt. Das kleine Mädchen, das einst flüsternd um Hilfe gebeten hatte, sprach nun voller Mut. Ihre Stimme, die einst vor Schmerz gezittert hatte, barg die Kraft des Überlebens in sich.
Und obwohl die Geschichte in Dunkelheit begann, endete sie mit Hoffnung. Hoffnung, die die Welt daran erinnert, dass selbst in den dunkelsten Momenten das Licht seinen Weg finden kann.
