Wenn Chicagos Ansatz zum Vorbild wird, sind die Folgen beunruhigend.
Städte, die die Zusammenarbeit mit den Bundesbehörden verweigern, könnten ein Flickwerk aus rechtsfreien Zonen schaffen, in denen kriminelle Organisationen Zuständigkeitskonflikte ausnutzen. Je mehr lokale Verantwortliche die Koordination behindern, desto fragmentierter und ineffektiver werden die Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit.
Das ist keine Theorie. Organisierte Verbrecherbanden sind geschickt darin, Lücken in der Strafverfolgung auszunutzen. Sobald sie Zögern, Spaltung oder politische Einmischung spüren, expandieren sie.
Indem Johnson im Voraus Widerstand erklärt, sendet er ein klares Signal – nicht nur an Washington, sondern auch an Kriminelle, die genau hinschauen.
Was geschieht als Nächstes?
Trotz des Widerstands des Bürgermeisters zeigen die Bundesbehörden kaum Anzeichen, nachzugeben. Die Trump-Regierung hat die Verbrechensbekämpfung zu einem zentralen Bestandteil ihrer Agenda gemacht, und der Widerstand demokratischer Bürgermeister bestärkt sie nur in ihrem Argument, dass ein Eingreifen notwendig sei.
Sollten Bundesagenten oder Einheiten der Nationalgarde in Chicago eingesetzt werden, sind Johnsons Handlungsoptionen begrenzt. Klagen mögen zwar Verzögerungen verursachen, aber sie werden ein Eingreifen nicht auf unbestimmte Zeit verhindern. Und jede Eskalation – insbesondere bei einem Anstieg der Kriminalität oder dem Ausbruch von Gewalt – wird die volle Verantwortung für die Stadtführung tragen.
Die entscheidende Frage ist einfach: Wer zahlt den Preis für politisches Taktieren?
Es werden nicht der Bürgermeister, die Aktivisten oder die Anwälte sein, die in Gerichtssälen streiten. Es werden die Bewohner sein, die bereits unter den Folgen ungezügelter Kriminalität leben.
Fazit: Eine Stadt am Scheideweg
Die Anordnung des Gouverneurs von Chicago ist mehr als ein symbolischer Protest – sie ist ein Wagnis.
Indem Bürgermeister Brandon Johnson Widerstand der Kooperation vorzog, hat er seine Verwaltung auf Konfrontationskurs mit der Bundesregierung gebracht. Ob sich dieses riskante Manöver politisch auszahlt, bleibt abzuwarten. Die Gefahren für die öffentliche Sicherheit sind jedoch unmittelbar und real.
Städte bekämpfen Kriminalität nicht mit Pressekonferenzen und Klagen. Sie bekämpfen Kriminalität durch Koordination, Verantwortlichkeit und Ergebnisse.
Sollte Johnsons Strategie scheitern – und die Gewalt anhalten –, wird es nicht mehr um die Frage der Übergriffigkeit des Bundes gehen. Es wird um die Verantwortung der Kommunen gehen und darum, ob die Ideologie die grundlegendste Pflicht des Staates – die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten – außer Kraft setzen durfte.
